Wirtschaft wächst im Rekordtempo
Geschrieben von: spiegel.de
Größtes Plus seit Wiedervereinigung
Wiesbaden - Export, Investitionen, Konsum: Die deutsche Wirtschaft ist 2010 auf breiter Front gewachsen. Laut Statistischem Bundesamt schaffte sie das stärkste Plus seit der Wiedervereinigung. Insgesamt legte das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent zu. "Besser als bei uns lief es in keinem anderen großen Industrieland", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).
Experten hatten ein Wachstum in dieser Höhe vorausgesagt. Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2009 war die Wirtschaft um 4,7 Prozent geschrumpft - das Minus war so groß wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik. Umso größer ist nun die Erleichterung über die guten Zahlen aus dem Jahr 2010.
"Das ist das eindrucksvollste Comeback in der deutschen Wirtschaftsgeschichte", sagt der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. "Deutschland ist auf einem guten Weg", ergänzt BHF-Experte Gerd Haßel.
Kräftiges Wachstum auch bei den Staatsschulden
Getragen wurde der Aufschwung vor allem von den boomenden Exporten, die um 14,2 Prozent zulegten. Aber auch höhere Investitionen der Unternehmen kurbelten die Wirtschaft an: Sie gaben 9,4 Prozent mehr für Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungsgüter aus, während die Bauausgaben um 2,8 Prozent zunahmen. Auch bei den Verbrauchern saß das Geld wieder lockerer - auch wenn ihre Konsumausgaben nur leicht um 0,5 Prozent stiegen. Der Staatskonsum legte hingegen um 2,2 Prozent zu.
Gegen Jahresende verringerte sich das Wachstum zwar leicht. Die Statistiker führen dies aber lediglich auf den kalten Winter zurück. Für dieses Jahr erwarten die meisten Experten, dass noch stärkere Impulse von Investitionen und Konsum kommen. Insgesamt rechnen die meisten Ökonomen 2011 mit einem robusten Wachstum von mehr als zwei Prozent.
Allerdings gab das Statistische Bundesamt auch eine schlechte Nachricht bekannt: Trotz des Aufschwungs ist die deutsche Staatsverschuldung 2010 massiv gestiegen. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen gaben 88,57 Milliarden Euro mehr aus, als sie einnahmen. Das Haushaltsloch entspricht 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit wurde die im EU-Stabilitätspakt festgesetzte Schuldengrenze von 3,0 Prozent verletzt. 2009 hatte der Staat lediglich 72,7 Milliarden Euro neue Schulden aufgetürmt, was einer Defizitquote von 3,0 Prozent entsprach.
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http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,739048,00.html
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